Malik

Malik

Malik konnte nicht anders: Schon von klein auf gestaltete er, forschte und liess entstehen.

Malik kann auch heute nicht anders: Er lebt sich kreativ aus, gestaltet neue Welten und drückt sich mit den verschiedensten visuellen Mitteln aus.

1977 in Aarau geboren und aufgewachsen, besuchte er nach der Matura die Kunsthochschule in Bern. Doch dort merkte er schon bald, dass er in gewisse Bahnen gedrängt wurde, was ihm gar nicht passte. So entschied er sich, seinen eigenen, unabhängigen Weg zu gehen, um frei seine Ideen umzusetzen.

Sein handwerkliches Können zeigt sich in Malerei, Graffiti, Illustrationen und Design, aber auch in Skulpturen und Objekten. Er ist der kreative Allrounder, der sich nicht nur mit einer Technik vergnügen will, was schnell verleiden könnte. Er liebt es, sich in verschiedenen Bereichen und mit unterschiedlichen Materialien auszutoben und alles miteinander zu verknüpfen.

Begeistert von der Farbigkeit und der Möglichkeit gross und schnell zu arbeiten, entdeckte er anfangs der 90er Jahre die Spraydose als neues Stilmittel. Die grossen Flächen eröffnen ihm neue Perspektiven, sie versprechen Freiheit und grenzenlose Kreativität unter freiem Himmel. Nur mit einer kleinen Skizze oder einer funkenden Idee im Kopf lässt er der Inspiration auf riesiger Fläche freien Lauf und überrascht sich somit oft auch gleich selbst mit dem Endresultat.

Solche Umsetzungen sieht man auch im Projekt „4661m2 – art in prison“: Ein Gefängnis komplett in Streetart gehüllt, – ein Kunstprojekt, von Malik initiiert und mitgestaltet , wie es in dieser Form wohl einzigartig ist. Während 2 Jahren gestalteten 16 bekannte Schweizer sowie ein Polnischer Künstler 4661 Quadratmeter Rohbeton in der JVA Lenzburg zu einem Gesamtkunstwerk.

Aber auch auf kleineren Flächen fühlt sich Malik wohl: Auf Leinwänden nutzt er die vielfältigen Möglichkeiten an Techniken um seinen Ideen Form zu verleihen.

Dies auch bei seinen Toys und Skulpturen: Die Loslösung aus dem zweidimensionalen Bereich empfindet er als sehr befreiend, sie eröffnet ihm neue Ansätze und Möglichkeiten in der Gestaltung.

Seine Ideen generieren sich aus Inspiration aufgrund von Beobachtung oft alltäglicher Dinge, wie zwischenmenschliche Interaktionen, Medien oder auch Kunst, selbst wenn sie ihm vielleicht selber gar nicht zusagt. Alle Eindrücke und Eingebungen werden gesammelt und wie in einem Diaprojektor abgespeichert und werden zur gegebenen Zeit wieder vor Maliks Augen abgespielt.

Maliks Kunstwerke faszinieren, brechen Grenzen auf. Gegensätze vereinen sich, Schönheit trifft auf Ekel, Zerstörung auf Wiederbeginn, in seinem Umfeld und im inneren Sein.

Octoblaster, Brain Cut, Mindfields: Maliks kraftvolle Kunstwerke versprechen Ergriffenheit und Emotionen. Welche das sind, überlässt Malik dem Betrachter. Er wehrt sich strikt, den Leuten zu viele Gedanken in den Kopf zu legen. Jeder hat seine eigene Geschichte, den eigenen Ballast und interpretiert so die Bilder mit seinen persönlichen gedanklichen Werkzeugen und Möglichkeiten: „Was genau der Betrachter mit auf den Weg nimmt, möchte ich nicht diktatorisch erzwingen. Ich ziehe es vor, zehn verschiedenen Leuten unterschiedliche Emotionen zu verschaffen, als zwei Leuten eine klare Aussage aufzuzwingen. Meine Bilder sollen einfach zum Denken anregen – nothing else.“

„Das Leben ist voller Widersprüche und Gegensätze. Der Mensch ist von sich selber fasziniert und zugleich irritiert. Meine Aufgabe als Künstler ist es, dieses Widersprüchliche darzustellen, durch „Reibung“ Spannung zu erzeugen, dies auch mit morbiden und sarkastischen Elementen. Ich möchte die Grenzen aufbrechen und Gegensätze und Kontraste vereinen.“


Malik

Malik could not help it: From a young age, he researched, designed, and developed his ideas.

Malik cannot help it today either: He lives creatively, creating new worlds and expressing himself with a variety of visual means.

Born and raised in 1977 in Aarau, he attended art school in Bern after high school. Soon enough, however, it dawned on him: He was being led down certain paths he lacked an appetite for. Accordingly, he took an independent, self-guided trajectory to implement his ideas without constraints.

His craftsmanship can clearly be seen not only in painting, graffiti, illustrations and design, but also in sculptures and objects. He is the creative all-rounder who seeks to enjoy himself with something more than fast-decaying techniques. He loves letting off steam in various areas and with different materials and to link everything together.

In the early 90s, inspired by the colors and the ability to work fast on large surfaces, he discovered the spray can as a new stylistic device. Large surfaces open up a plethora of new perspectives to him, while promising freedom and boundless creativity under a blue sky. Starting only with a rough sketch or with a sparking idea in mind, he lets inspiration run wild on a huge surface, and often ends up in awe at the end result.

Such applications can also be seen in the project "4661m2 - Art in Prison": A prison shrouded completely in street art: an art project, initiated and shaped by Malik, which is probably unique in such form. During 2 years, 16 well-known artists from Switzerland and one from Poland designed 4,661 square meter of concrete floor in the JVA Lenzburg as a Gesamtkunstwerk.

Malik also feels at ease with smaller surfaces. When working on canvas, for example, he relies on various technical options to shape his ideas.

And this holds true too for his toys and sculptures: He regards the detachment from a two-dimensional world as utter liberation, which offers a wealth of design approaches and possibilities.

His ideas emerge from inspiration, usually based on observation of everyday things such as interpersonal interactions, media or art, even if he may personally dislike them. All impressions and inspirations are collected, stored, and replayed at the appropriate time before Malik's eyes as in a slide show.

Malik artworks convey a sense of bewilderment and tear down the walls of conventionalism. Opposites collide, beauty meets revulsion, destruction faces reconstruction, in his environment and inner being.

Octoblaster, Brain Cut, Mindfields: Malik powerful works of art deliver commotion and deep emotional involvement. To each his or her own - Malik leaves that up viewers. He disdains the idea of filling people’s minds with thoughts. People carry their own history and baggage and interpret images with their own mental tools and opportunities: "I don't seek to impose a particular interpretation on the viewer. I rather stir different emotions in ten different people than convey a clear, unequivocal statement to two of them. My images are simply inspiring thoughts - nothing else."

"Life is full of contradictions and contrasts. People are simultaneously fascinated and annoyed by themselves. As an artist, my mission consists in shedding light on this contradictory nature, generating so-called "friction" voltage, also through the use of morbid and sarcastic elements. I strive to break boundaries and unite opposites and contrasts:”


Malik painting a Kea bird in Luzern, Switzerland. Timelaps video by Dzoka Mitrov.


Kunden

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(selection in alphabetical order)


4661m2 - Art in Prison

4661m2 - Art in Prison

Die beiden Schweizer Künstler Malik und Note waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, nach einem neuen spannenden Projekt, wo sie ihre Kunst ein bringen könnten. Eines Abends im Frühling 2012, kurz vor dem Einschlafen, kam Malik plötzlich die Idee: ein Gefängnis! Einerseits müssten sich da große, unberührte Betonwände befinden, was in der Schweiz selten ist und andererseits fand wäre es eine spannende Herausforderung, ihre Kunst mit einem solchen Umfeld zu konfrontieren.

So schrieb er eine Blindanfrage an die Justizvollzugsanstalt Lenzburg und erklärte, sie wären bereit bei ihnen gratis ein Bild zu malen, falls das auf Interesse stieße.Zu ihrer Überraschung wurde die Anfrage von Marcel Ruf, dem Direktor der Anstalt, freudig aufgenommen. Er erklärte, zur Umsetzung der Idee alle ihm möglichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Steuergelder durften jedoch nicht eingesetzt werden.
Bei einem ersten Rundgang wurde Malik und Note schnell klar, dass sich ihre Idee zu einem riesigen Projekt entwickeln würde. Das Ausmaß war gewaltig: Sie bewegten sich durch einen Komplex, der fast ausschließlich aus Beton besteht. Grau griff in Grau und wurde von einem wolkenverhangenen Himmel überwölbt. Eine karge Landschaft, die einzig und allein durch die Kälte des vom Beton umfangenen leeren Raumes definiert wird.

Zusammen begannen sich die beiden ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wie sie diese Flächen in Angriff nehmen sollen. Zusehends entstand ein ernstzunehmendes und komplexes Kunstprojekt. Es begann eine lange Phase der Planung und der Organisation, mit der zentralen Aufgabe ein Team von professionellen Künstlern zusammenzustellen, die mit solchen Dimensionen und diesem Kontext verantwortungsvoll umgehen konnten.
Schlussendlich haben Malik und Note insgesamt 16 bekannte Urban-Art-Künstler aus der Schweiz zusammengebracht, welche in ihren Augen diesen Normen und Vorgaben entsprachen. Komplettiert wurde das Künstlerkollektiv durch ihren polnischen Kollegen Robert Proch. Sie alle haben sich ohne zu zögern dazu bereit erklärt, gratis mitzuwirken.

Die Bilder, die jetzt im Gefängnis zu sehen sind, entstanden über einen Zeitraum von 18 Monaten. Spazierhöfe, Korridore, Treppenhäuser und natürlich die gewaltigen Außenmauern wurden von den 16 Künstlern bemalt. Was als eine Idee vor dem Einschlafen begann, ist nun zu einem Stück Kunst geworden, das in dieser Form wohl einzigartig ist.
Aus diversen Feedbacks der Vollzugsbeamten sowie der Gefangenen geht hervor, dass man sich intensiv mit den entstandenen Werken auseinandersetzt und dass sie immer wieder Stoff zu angeregten Diskussionen liefern – und dies trotz zum Teil geringen Vorkenntnissen in Sachen Kunst, insbesondere in Sachen Streetart.

Das Buch "4661m2 - Art in Prison" ermöglicht dem Leser einen umfassenden Einblick in dieses Projekt, das sonst hinter den massiven Betonwänden der JVA Lenzburg von der Außenwelt abgeschottet hinter Schloss und Riegel liegt. Es zeigt einen Querschnitt durch die Vielfalt der urbanen Kunst, welcher in dieser Form und diesem Format in keinem Museum zu finden ist. Darüber hinaus hat es Vorbildcharakter für ähnliche Einrichtungen, wirft als die seltene aber gelungene Konfrontation von Kunst mit der kargen Umgebung eines Gefängnisses Fragen zu Gesellschaft, zum Kunstwerk als Objekt, zum Künstler als Schaffenden und zum Betrachter als „Freien“ oder „Gefangenen“ auf.


4661m2 - Art in Prison

Swiss artists Malik and Note were looking for a new challenge, a new and exciting project where they could show their art. One evening in spring 2012, just as Malik was falling asleep, he suddenly had an idea: a prison! In a prison there would be large, untouched concrete walls – a rarity in Switzerland – and it would also be an exciting challenge to confront their artwork with such an environment.

He took a chance and wrote to Lenzburg Prison, saying that they were prepared to paint a mural there for free in case they were interested.

They soon received an answer from Marcel Ruf, the prison director, saying that they should call in to discuss the project. To their surprise he was very open to the idea and was prepared to provide everything they would need to get started. The use of taxpayers’ money was of course not permitted.

It quickly became apparent that what had begun as just an idea was rapidly developing into a huge project. The dimensions were enormous. Malik and Note were moving through a complex almost solely comprised of concrete. Gray flowed into gray, complemented by the cloudy sky above: a bare landscape, defined only by the coldness and emptiness of the concrete.

Together they began to consider what would be the best way to tackle these huge surfaces. As the project evolved it proved to be complex and something that needed to be taken seriously. A long planning and organization phase commenced, which focused on putting together a team of professional artists who were capable of working with such dimensions and were responsible enough to work in a prison environment.
Finally Malik and Note selected 16 Swiss well-known Swiss urban artists that met these criteria. Polish artist Robert Proch completed this artists’ collective. All of the artists agreed to work for free without any hesitation.

The murals that can now be seen in the prison were completed over an 18-month period. Exercise yards, corridors, stairwells, and of course the vast outside walls were been painted by the 16 artists. What began as an idea just before falling asleep evolved into a work of art that is probably unique in this form.
The feedback we received shows that both the prison guards and the prisoners are very engaged with the artworks and that they are often the subjects of in-depth discussion – despite little common knowledge about the topic of art, to say nothing of street art.

The book 4661m2 - Art in Prison makes it possible for the reader to gain a comprehensive insight into a project that is otherwise hidden behind the solid concrete walls of Lenzburg Prison. It shows a representative cross section through a wide diversity of urban art that can’t be found in this form and format in any museums. Furthermore, it also illustrates the exemplary character of this project in terms of its function as a role model for projects in similar facilities.The most exciting aspect of this project was getting a first-hand impression of such an institution.


"4661m2- The Impression of Freedom": a documentary about the 4661m2 project and the life in prison, produced by Polymorph Pictures, Zürich.